Im MondWald (Ein Anfang … ab 2004)

[Ankunft][09.08.2004]

Ein sanfter Regen traf das weite Land, eine Landschaft, nur aus Gras und umrandet von einem Wald. Eine weite Weite, nichts mehr, was man hätte benennen können.

Da war sie nun, die Sonne schaute hinter einer Wolke hervor und verband Erde und Himmel mit einem kleinen ,bleichen Regenbogenband. Von einem Ende der Sonne bis zum anderen Ende des Wald, des MondWalds. Der Horizont war vollkommen umspannt von diesem Schein. Dort draußen war es weder dunkle, noch war hell, es war ein nichts.
Ich lief einen schmalen Pfad entlang, bestehend aus Steinen zwischen viel Sand. Mein Kapuze trug ich tief im Gesicht, mein Umhang wehte sanft im Wind hin und her. Mein Ziel war eine kleine unscheinbare Hütte am Waldrand. Ein Ort, was ich vermutlich mein Zuhause nannte. Ein Zuhause, was war das schon? Es ist nicht nur ein Ort, nicht einfach nur das, aber wenn es nun an einem Ort zu finden ist, so ist es einer, nach dem man ständig auf der Suche ist, etwas wo man alles finden, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Die Einen suchen einen Schatz am Ende des Regenbogens, wie diesem hier, der eigentlich kein Ende hat, denn im MondWald enden Regenbögen nicht, der MondWald war der Schatz selber – und ich eben suche mein Zuhause. Das genügt mir schon.

Da tippte mir jemand plötzlich auf die Schulter. Ich hatte für eine Minute schon geglaubt, ganz allein zu sein, in diesem Nichts , dieser Stille des MondWaldes. Als wäre ich das einzige lebende Wesen in diesem in diesem Weiten Nichts der Steppe.
Erschrocken drehte ich mich um. Was ich sah, erstaunte mich, ein kleiner junge, dunkelblond, grinsend stand mir gegenüber. Nicht mit mehr bekleidet, als einem langen Hemd und einer Hose. „Hey, was soll das , wieso erschreckst du mich, Kleiner?“
Darauf ging er zu meinem erstaunen nicht weiter ein. Ihn schien es nicht zu stören, Menschen zu erschrecken, er schien es zu genießen. „Du bist langsam, Kyara. Die Welt, sie dreht sich schnell, das weißt du! Man muss sich beeilen. Wenn man auf der Suche nach etwas ist, muss man sich erst recht beeilen!“
Ja. Ich gab ihm recht. „Aber nicht hier, oder?“. Ich holte wieder tief Luft, und wiederholte es langsam, legte meine Betonung für die kommenden Worte zurecht. „Nicht hier.“ , das kam aus meinem Mund.
Er sah zu Boden, verglich mich , mit dem Himmel, mit der Erde, die Erde mit dem Himmel, und mich wieder. „Vielleicht, Kyara, vielleicht.“
Dann lächelte er mich für eine winzigen Augenblick liebevoll an, wie ein Kind, was das Spielzeug wiedergefunden hat, was längst verloren war.
So war er schon immer gewesen, der Junge, ich habe ihn wohl schon immer Seele genannt.

Mir wurde Stück für Stück klar, ich wusste – egal wo ich hergekommen war, egal was sich bisher ereignete – ,mein Weg fand hier für einige Zeit sein Ende. Hier war ich zu Hause, vielleicht nicht für immer, aber für den Moment. Wie ich es vermisst hatte. Um uns der weite MondWald, und das Nichts mitten drin. „Ich bin froh dich wiederzusehen, Kyara.
Ich in der Mitte dieses wundervollen Nichts.
Wie sehr ich es vermisst hatte….

[Im Regen][10.08.2004]

Es hatte begonnen stärker zu regnen. Stärker als es mir in Erinnerung war und somit liefen wir schnell zur Hütte und verriegelten die Tür, damit wir den Regen hinter uns lassen konnten. Der Regen lauerte wie ein Ungeheuer vor der Tür, mal lauter mal leiser trommelte er aufs Dach, auf dei Erde. Ich war mir sicher, es war ein Aufstand des Regens gegen uns, da wir die Hütte besetzt hielten. Das Wetter hier im MondWald war immer schon etwas mit Seele gewesen, und es lebte sein Seelenleben aus.
Ich zog meinen Umhang aus, er tropfe von dem vielen Regen da draußen, und hängt ihn zum Trocken in die Nähe der Feuerstelle.
„Es ist kalt geworden“, stellte ich fragend fest und rieb mich mit meinem Händen die Oberarme warm, während ich zu Seele hinüber sah. Ihm schien es nichts auszumachen nur in Hemd und Hose da zu stehen.
„Es ist nicht der MondWaldes ist der Regen, der kalt ist. Es braucht sich etwas zusammen hier im MondWald. Aber auch dagegen wird sich etwas unternehmen lassen.“
Während ich ihn nachdenklich anschaute, da ich nicht wusste was er meinte, setzte er einen Kessel mit Wasser über die Feuerstelle. Er schüttete weiter Wasser nach, sehr sorgsam, fast ängstlich, aber es schien anstrengend zu sein. Ich beobachtete ihn weiter. Irgendwas hatte er, denn die Art, wie er sich bewegte, seine Augen zusammenkniff ; es sah immer so aus, aus würde ihn mit jedem Moment der Schmerz streifen.
Doch fragen konnte ich nicht. Nein, nicht jetzt. Er war mir fremd , auf eine gewisse Art und weise, obwohl ich noch so eben das große Gefühl der Vertrautheit gespürt hatte. Ich merkte, wie ich immer nachdachte und mich fragte , wer war Seele überhaupt, kannte ich ihn wirklich? „Wo bist du eigentlich gewesene Kyara?“, fragte er mich ganz unvermittelt, und es schien mir als hätten seine Worte all meine Gedanken weggewischt. Er sah mich an und ich überlegte. Ich wusste es nicht und langsam sagte ich „Ich weiß es nicht“
„… vielleicht, vielleicht fällt es dir später wieder ein, es werden genügend Zeiten auf uns zukommen.“, sagte er verständnisvoll. Manchmal machte er auf mich den Eindruck, als wäre er nur ein kleiner Junge, den ich mir vor sah, aber manchmal schien er mir soviel Älter und weiser, als ich je sein könnte. Wie er mich behandelte, mit einer solcher Sorgfalt, als hätte er Angst mich, oder etwas in mir zu zerbrechen. Ich ertappte mich schon wieder beim Nachdenken.
„Was denkst du gerade?“. Seele sah mich an, fast zu lange, so als wolle er versuchen durch mich durch zu schauen als würde er meine Seele erhaschen und würde sie fragen, nicht mich. Dort draußen, auf der Ebene, im Wald da tobte der Regen. Der Wind schien der neue Verbündete des Regens zu sein. Gemeinsam heulten sie auf und kämpften gegen das Erzeugnis der Menschen. Dort oben im Schein der Dunkelheit konnte ich sie erkennen, die Ruine, der Ort der Zeit und des Wissen. Wind und Regen sperrten uns ein, hielten uns wie Gefangene in den eigenen Räumen. Ich konnte die Zeit erkennen, sie kroch wie Nebel den Raum hoch und hüllte uns ein. In diesem Anblick erschien der kleine Falter , der durch den Raum flog, im Zickzackkurs in Richtung Flamme, wie etwas so surreales, das ich beinahe lächeln musste. Es war ein wunderschöner Anblick, der kleine schwarze Falter, auf Irrwege suchend…, er erinnerte mich an mich selber. Überall wo der Falter landete, am Fenster, Auf den Regalen, überall wirbelte er Staub auf. Es schien als würde diese Hütte schlafen, als würde sich hier nie etwas ändern, und dann kam ein kleiner Falter und brachte Unordnung. Ich überlegte, wie lange war ich nicht mehr hier gewesen? Und vor allem wo war ich vorher gewesen. Und wer war ich überhaupt?

Der Kessel fing an zu blubbern, das Wasser war heiß und kochte.
Die Szene war unterbrochen, es schien als würde erst jetzt die Zeit weiter wandern. Seele goss uns in zwei große, Tongefässe Wasser hinein und gab einige Blätter hinzu – wieder erschien dieser schmerzhafte Gesichtsaudruck in seinem Gesicht. Das heiße Wasser erzeugte seinen eigenen Nebel, einen Dunst der durch da Zimmer schwebte und sich in behagliche Wärme umwandelte. Erst jetzt merkte ich, das mir kalt gewesen war.“ Sag Seele,…“, begann ich zaghaft die Worte an ihn zu richten und starrte dabei aus dem Fenster in dieses Nichts und dem prasselnden Regen. Der Regen erschien mir auf einmal so kalt, im Vergleich zu dieser gemütlichen Wärme in mir und der Hütte.“ Seele, seit wann ist der Regen im MondWald denn so stark?“
Er ließ den Kessel stehen, drehte sich um, sah mich tief an. „Erst seid dem du hier bist.“, sagte er, und reichte mir einen weiteren Becher mit Tee. Er wartet auf meinen Blick, auf meine Reaktion, ich könnte es spüren, aber welche Reaktion erwartete er? Ich wusste selber nicht, was ich davon halten sollte. Ich schaute etwas verwundert, als er fortfuhr. „Es ist seine Art dich willkommen zu heißen.“
In mir keimte eine zweite Möglichkeit, als der Wind mit brachialer Gewalt, so schien es mir, gegen die Tür hämmerte.
„Vielleicht mag er mich auch einfach nicht.“
„Beides ist möglich.“
„Und wenn du die Wahl hättest, welche Möglichkeit würdest du wählen, für dich?“, überlegte ich laut weiter.
Seele stand da, diese Frage war wohl unerwartet gewesen. Nach einem kleinen Augblick kam die Antwort.
„Vielleicht Dich…. vielleicht etwas anderes.“
„Mich kannst du nicht wählen, Seele, das meinte ich nicht“ warf ich schnell und etwas heftig ein. Er hatte mich missverstanden, oder war es Absicht gewesen?.“ Wen würdest du lieber als Verbündeten haben? Den Wind oder den Regen?“
Regentropfen bildeten einen See an den Scheiben, es schien fast, als würden die Scheiben weinen. Der Wind trieb die Tropfen voran, weitere Tropfen zerstreuten Bündnisse und erschufen neue. „Ich wähle keinen von beiden.“ Sein Entschluss stand fest und er lächelte mich an. Es war ein sanftes, gutmütiges fast bescheidenes Lächeln, aber zielstrebig brannte es sich in meine Erinnerung, auch wenn es kaum zu sehen war auf diesem jungen, ebenen Gesicht.. „Ich möchte irgendwann einmal aus diesem MondWald verschwinden, es hinter mich lassen und einfach etwas völlig anderes zu sehen und zu sein.“

Das Geheimnis des MondWaldes I
Auf meiner Suche aus dem Wald heraus, durchstreifte ich das Nichts und kam zu jener Ruine. Da ich keinen Ausweg finden konnte, verweilte ich eine Weile inmitten des Waldes.

[Die Ruine][11.08.2004]

Und so wanderte ich, auf der Suche, durch den Wald, über die Steppe, durch dieses Nichts. Ich ließ meinen Blick schweifen, versuchte mich zu erinnern, war ich jemals schon einmal hier gewesen? So vertraut mir einiges vorkam, so fremd fühlte ich mich dich gerade jetzt hier. Mein Blick fiel auf die Ruine und ich fühlte einen Stich in meinem Herzen und ich wusste, dorthin musste ich hin. Langsam ging ich los, nicht den direkten den Weg, denn ich wollte nicht auffallen, nicht von dem Nichts verschluckt werden. Die Ruine lag inmitten des Waldes auf einer kleiner Anhöhe, sie muss früher einmal sehr Majestätisch und schön gewesen sein. Mit einem unbehaglichem Gefühl in meinem Bauch betrat ich diese ehrwürdigen Mauern. Kaum hatte ich diese Mauern betreten, so schien es mir, das ich in der Zeit wanderte. Wo gerade noch Moos behangene Überreste von Mauern standen, zerstörte Torbögen und Rundbogenfenster , wo hier und da noch einzelne Glasreste das spärliche Licht des Mondes widerspiegelten, entstand mit einem Mal eine Hallo, eine riesige beeindruckende Halle, die mich erstaunen ließ. Wie war das möglich, ich stand hier und konnte die farbenprächtigen Fenster sehen, in denen auf der einen Seite das Sonnenlicht hereinfiel und ein Schattenspiel der Farben zuließ und auf der anderen Seite konnte ich den Mond sehen, wie er seine Seite mit seinen silbernen Glanz erhellte. Raum für Schatten war kaum, so strahlte diese ehrwürdige Ruine vor mir und lud mich ein sie zu erkunden.
Ich ging zaghaft durch die leeren Gänge dieser Ruine; sie waren hell und hochgebaut. Hier und dort fielen Sonnenstrahlen durch die Fenster und ich konnte den Staub tanzen sehen, im Sonnenlicht. Sie erstarben in jedem Moment, in der die Sonne hinter Wolken verschwand oder von den Blätter der Bäume verdeckt wurden. Ich wandelte und ich konnte nur meine Schritte hören, trotz meines Versuchs so leise wie möglich zu gehen, hallten sie im Gang wieder. Ich hatte das Gefühl nicht allein zu sein , und doch, egal wie oft ich mich umschaute, ich war ganz allein.
Es war wie Magie.
Ich stand in der Mitte einer riesigen Halle, ich konnte das Ende des Saales nicht erkennen. Überall erblickte ich Treppen die ins Nichts zu führen schienen. Die Decken waren noch höher angebracht als in den Gängen. Es schien, als wollten sie den Himmel einholen und dort oben Gott berühren. Ich bestaunte diesen riesigen Raum und konnte mir gar nicht vorstellen, wie ich ihn von außen hab übersehen können. Ich ging weiter , staunend betrachte ich was ich sah. wunderschöne , reichverzierte Ornamente an den vielen Treppen, die nach oben und nach unten führten. Ich fragte mich was ich wohl am Ende jeder Treppe finden würde, aber ich wagte es nicht sie durch meine dreckigen Schuhe zu beschmutzen. Alles in diesem Saal war in einem dunklen Holz gehalten, doch manche Treppen waren so merkwürdig bunt, sie schienen nicht hier her zu passen. Waren mit roten ,blauen, grünen, bunten Bildern bemalt, und wiesen mehr als die anderen Treppen Gebrauchsspuren auf. viele kleine Kerben, herausgebrochene Holzstückchen und eben jene bunten , mir nichtssagenden Bilder . Sie sahen aus wie Kinderbilder, wie gemalt von Kindern aus Phantasie und Langeweile. Während ich so über das entdeckte nachdachte, erschien vor mir langsam das Ende dieser Halle aufzutauchen, ich begann die Umrisse einer großen Tür zu sehen, sie war massiv und in der Mitte war mit hellen Buchstaben etwas geschrieben. Als würde eine ungewisse Ahnung mich leiten ging ich Schritt für Schritt auf diese Tür zu. Nein es war keine Tür, sie erschien mir eher wie ein riesiges Portal, als würde dahinter mich noch etwas mysteriöseres erwarten, als das was ich bisher gesehen hatte. Mit großen, silbernen Lettern war auf dieses Portal geschrieben : „SeelenRaum – Ort ohne Zeit“ .Ich war unschlüssig, durfte ich es wagen, in diese Hallen einzudringen, durfte ich die Ruhe dieser Ruine stören?. Doch schon während ich dies dachte fing ich an , an der großen Tür zu drücken. Mit großer Mühe schaffte ich es einen kleinen Spalt zu öffnen, und was ich erblicke, war ein merkwürdiger Raum. Ein Raum, der zum MondWald passte, denn alles im MondWald war merkwürdig, merkwürdig beseelt. Ich stand dort in dieser Ruine, tief in diesem Wald, wo sich in der Dunkelheit vereinzelt auch mal einzelne Lichtstrahlen verirrten.

Mit einen mal schien es mir, als könnte ich die Tür mit Leichtigkeit öffnen. Mit wenig Mühe schwang ich die Tür auf und schaute in den seltsames Raum. Er sah aus wie eine Bibliothek, ganz anders als ich mir das vorgestellt hatte. Der Raum war dunkel, aber dennoch konnte ich alles sehen. Er erschien mir riesig, aber dennoch konnte ich in alle Ecken schauen. Ich sah Regale, jede Menge Regale. Sie waren vollgestopft von Büchern und Bildern, Jedes Buch war mit Ziffern beschriftet. Es gab Ziffern in rot, in Gelb, in blau und vielen anderen Farben. Sie schienen eine Bedeutung zu haben. Die Farben unsortiert in den Regalen verteilt, auch die Ziffern warn nicht geordnet. Die schönen, dunklen, Holzregale schienen in einem Gegensatz zu den meist bunten Büchern. Ob die Farben einen Sinn hatten? Zaghaft griff ich in ein Regal und nahm ein Buch heraus, es war ganz in Blau gehalten und mit silbernen Ziffern war eine VI drauf geschrieben. Als ich dieses Buch in die Hände nahm, merkte ich gleich, dieses Buch hatte eine eigene Seele, wie alles in dieser Welt, in diesem Wald, der mir immer mehr Rätsel aufgab. Wieso war gerade ich hier gekommen, was machte ich hier, wie war ich hier her gekommen? Jedes Buch war anders, wie ich es erblicke, und in die Hand nahm. Sie schienen alle eine andere Seele zu haben, manche fühlten sich ähnlich an, aber es waren immer Facetten anders, ich konnte sie spüren. Ich konnte die beseelten Bücher spüren und konnte mir vorstellen , jedes Buch hatte eine andere Geschichte, die es mir mitteilen wollte, und ich war mir sicher, irgendwann würde ich sie alle gelesen haben.

[12.08.2004]

Auf einmal wurde mir bewusst, das ich Stimmen hörte, um mich herum. Sie saßen an den Tischen, und lasen oder unterhielten sich flüsternd. Es waren so viele; es waren Kinder, Jugendliche, Erwachsene und alte Menschen, so unterschiedlich sie auch im Alter waren, so schienen sie alle gemeinsam zu haben, das Interesse an diesen vielen Büchern und Bildern , die in diesem Raum verstaut waren. Sie mussten lautlos hereingekommen sein, denn mir war nicht bewusst jemals andere Schritte , als die meinigen gehört zu haben. Aber vielleicht war ich auch einfach nur zu sehr in diese Bücher und deren erscheinen vertieft gewesen.
Zaghaft entschied ich mich zu einem der Tische zu gehen, dort saßen ein Mädchen und ein Junge. Da ich fremd war, fühlte ich mich auch einsam und unbehaglich als ich mich fragend zu ihnen setze. Ich hatte viele Fragen, und ich wollte Antworten erhalten, doch würde ich die von diesen beiden bekommen können?
Der Junge schien mir noch nicht erwachsen zu sein, doch sein Verhalten hatte etwas sonderbares, nein elfenhaftes und unnahbares. Es war mir, als würde er nicht wie Jugendliche in seinem Alter sein. Er hatte dunkelblondes , etwas längeres Haar und schien sehr bedacht darauf, das es keine unbeherrschten Bewegungen von ihm ausgingen. Er saß kerzengerade auf der Kante eines Stuhls, als wolle er sagen „Ich brauche keinen Stuhl um zu sitzen“. Er wirkte nicht überheblich, nein es war interessant ihm zuzuschauen. Er sah aus wie ein König. Seine Augen schienen stets überall zu sein, aber sie bewegten sich nicht hektisch hin und her. Neben ihm saß ein Mädchen , sie schien etwa gleich alt zu sein wie der Junge. Sie hatte freche kurze dunkle Haare und war ein kleiner als er. Sie war in ein Buch vertieft und sah in ihrer Art wunderschön aus, Gekleidet war sie in einen roten Samtkleid, der ihr Würde verlieh und sie zusätzlich wunderschön aussehen ließ. Mit ihren gras-grünen Augen funkelte sie! Sie sah zerbrechlich aber anmutig aus. Deshalb schien der Junge wohl vor allem über sie zu wachen.
Die beiden schienen sich schon sehr lange zu kennen, es fiel kein Wort zwischen ihnen und doch schien ein Gespräch statt zu finden, da ich Kopfbewegungen ausmachen konnte. Und mit einem Mal sagte der junge „Wir sind uns einig , du darfst dich zu uns setzen“. Beim Hinsetzen bemerkte ich erst die schwarzen Mäntel die beide trugen. Vorne auf der Brust war ein kleiner silberne Mond abgebildet. Ansonsten war der Umhang leer und tief schwarz. Ich schaute mich um und erkannte, das alle Personen , die ich so erkennen konnte, diesen Umhang trugen. Niemand schien ihn abzunehmen, obwohl es angenehm warm hier drin war. Ich betrachtet diesen Umhang und mich umkam ein Gefühl von Wärme. Ich wünschte mir, ich könnte auch einen haben und ihn so ehrfurchtsvoll tragen wie jener Junge, oder wie das Mädchen. Tief in mir aber sagte eine Stimme :“ Gedulde dich, du brauchst Zeit, und dann bekommst auch du einen Umhang“.
„Ja, habe Geduld“ , sagte der Junge als könnte er meine Gedanken lesen. Ich bekam ein klein wenig Angst, hatte ich es laut ausgesprochen oder woher wusste er was ich gedacht hatte. Ich wurde unruhig, wie konnte das sein. Ich hatte so viele Fragen auf der Zunge und musste sie einfach los werden.
„Wo bin ich hier, wer seid ihr, und was machen wir hier?“ , entfuhr es mir und im selben Moment dachte ich bei mir, wie unhöflich ich doch gewesen bin. Ich wollte mich entschuldigen, aber der Junge fing schon mit sanften, melodischer und gleichmäßiger, aber nicht langweiliger und ruhigen Stimme zu reden.
„Du musst dich nicht entschuldigen. Ich weiß, du bist voller Fragen, das sind wir alle. Es ist erstaunlich, das Du das Wort „Wir“ benutzt hast. Wir leben hier, in diesem Wald; dieses Gemäuer ist unser zu Hause. Sie schützt uns vor der Zeit, und bringt uns wissen. Was wir hier machen? Das gleiche, was du machen wirst, immer gemacht hast. Du suchst die Zeit, die verloren ging, du suchst Antworten, auf Fragen die du heute noch nicht weißt. Aber vor allem suchst du dich selber, und möchtest herausfinden, wer du bist, wer in dir steckt. Wir sind nur eine Gruppe von Menschen, die durch die Fügung des Schicksals für immer hier verkettet sind.“
In dem Moment als der Junge mit diesen Worten fertig war, sah das Mädchen von dem Buch auf, welches sie zu lesen schien. “ Jeder hier hat seine Interessen, jeder hat seine Themen , die er liest und schreibt, und doch gibt es immer eine Verbindung zwischen uns allen und es gibt ein großes Thema an dem wir alle gemeinsam arbeiten und leben.“
Wie sie mich anschaute, ich konnte ihren Blick nicht deuten, und widerstehen erst recht nicht. Sie schaute mich an, wie eine Rivalin so kalt, wie eine Mutter so gutherzig und so uninteressiert an, als wäre ich nicht von Bedeutung. Wie sollte ich das verstehen. Ich steckte voller Fragen, und es wurden immer mehr, und jede Antwort, die ich fand, brachte mir neue Fragen. „Gibt es keine Ordnung hier?“ , entfuhr es mir . Mir viel es so schwer zu reden, so viele Dinge, die auf mich einprasselten, wie der Regen damals in der Hütte. So viele Informationen die ich bekam, und noch mehr, die ich spürte, aber nicht fassen konnte.
„Wie Andrea schon sagte, eigentlich gibt es hier nichts , was es nicht gibt. Doch ein Thema ist überragend und verknüpft sie alle miteinander, bringt auch die Stabilität für uns alle.“
Andrea schaute mich mit ihren funkelnden Augen an und flüsterte dann, als sei es ein Geheimnis was es zu bewahren gibt “ MondWald und die Vergangenheit“.

[15.08.2004]
Zeit verging, so glaubet ich zu mindestens, ich spürte sie jedoch nicht.
Durch die Hohen Fenster im Saal konnte man den alles beherrschenden Mond sehen, silbern, fast beschützend schaute er nieder auf diese Welt. Ich hatte das Gefühl, als würde er nur ganz allein für uns scheinen. Ich sah mich um und betrachtete die vielen Menschen in diesem Raum, wie sie lasen oder etwas schrieben. Sie alle waren so vertieft in Ihre Bücher, in Gespräche und es schien niemanden zu stören, das kleine Kinder durch die Gegend liefen, spielten, oder auch lasen. Ich fand es sehr erstaunlich das schon sehr junge Mädchen dort saßen, und Bücher lasen oder schrieben, sie mochten zum Teil nicht mal im Schulalter zu sein, woher konnten sie das dann?.
Ich schaute den Jungen an, ich sollte ihn MondSucht nennen. „Wie lange seid ihr denn schon hier?“
Er schien einen Augenblick nach zu denken und schaute mich für einen winzigen Moment an, als wüsste er nicht, was ich meinte. „Es ist schwer zu sagen. Wir sind nicht alle gleich lang hier, und dennoch waren wir schon immer gemeinsam hier. Wir machen alle eine Reise bevor wir hier herkommen, so wie du Kyara. Wir sind vielleicht 1 Woche da, vielleicht ein Jahr, vielleicht auch länger. Hier vergeht die Zeit anders. Nein lass es mich bitte anders ausdrücken, die Zeit vergeht hier eigentlich nicht. Die Zeit verläuft nach den Regeln einiger von uns, Wir haben sie eingeschlossen. „Dabei öffnete er die Arme und deutete auf die vielen Bücher. „Sie ist bedeutungslos, da eh alles als vergangen gilt, was den Moment überdauert hat. Er schaut zu Andrea, die wieder in das Buch vertieft war und unserem Gespräch wohl nicht wirklich folgen zu schien. „Zeit ist nicht von Bedeutung, denn alles was erlebt wird, alles was erlebt wurde, erscheint in diesen Büchern und wird gelesen, von jenen die es nicht erlebt haben, oder denjenigen, die es wieder erleben wollen oder müssen. Du wirst mit der Zeit sehen, das du dich nicht verändern wirst, niemand von uns verändert sich. die Kleinen, werden immer klein sein, der älteste wird immer der älteste sein, weil er immer leben wird. Aber ich denke man kann sagen, wir Rechnen gewissermaßen in … vergangenen Momenten in Erinnerungen.“
Ich war erstaunt, wie konnte das sein, ein Ort in der es nicht 9 Uhr war, oder 12 Uhr wurde. “ Erklär es mir, bitte!“ Ich legte meine Hände den Schoß und war vollkommen gespannt von der Antwort die da kommen würde.
Anstatt von Andrea bekam ich von MondSucht die Antwort :“ Sie nur, sieh dich genau um. Was siehst du hier? Was hast du noch vor kurzer Zeit gesehen, als du vor der Ruine standest? Jetzt siehst du die vielen Bücher und Bilder und Gegenstände und du siehst uns. Dies sind alles vergangene Momente, erlebte Momente und doch lebend hier in dieser Ruine. Viele Erinnerungen von jenen, die du noch nicht kennst, von Andrea, auch von mir, und es wird dich überraschen, aber auch deine Momente , deine Erinnerungen werden hier gespeichert und gelesen, denn du warst immer hier, gehörst hier her. Jedes Buch ist eine Situation, eine Erinnerung, der MondWald ist eine Sammlung, er besteht aus uns, aus unseren Erinnerungen und nur für uns ist er sichtbar. In manchen Büchern wirst du dich wieder erkennen, andere wirst du zunächst nicht verstehen und andere werden dir dumpf bekannt vorkommen. Kein Buch , keine Erinnerung , ist wie die andere und doch haben sie alles eines gemeinsam. Du wirst Dinge lesen, die dich an andere Orte bringen, die du nicht kennst, an Orte bringen , wo du schon mal warst, du es aber nicht weißt. Lesen kannst du alles dies nur dann, wenn du deinen Geist öffnest lernst zu akzeptieren was du bist, was wir alle hier sind. Auch musst du lernen, was genau deine Aufgabe in dieser Gruppe ist. Aber neben diesen vielen Büchern gibt es noch dieses eine besondere Buch.“
Er machte eine Pause und ließ mir Zeit , dies alles in mich auf zu nehmen, aber ich hatte nur eine Frage im Kopf. Ich wartete auf eine Antwort, aber ich erhielt sie erst einmal nicht.
„was ist das für ein Buch?“ MondSucht überlegte, ob er es jetzt sagen, oder zunächst noch schwiegen sollte. Er entschied sich wohl dafür mir noch ein wenig mehr zu erzählen. „Nun, dieses Buch, es ist ein Buch über den MondWald in seiner gesamten Geschichte.“
Einen Moment schien alles still zu stehen. Aber was sollte nun an einem Buch über den MondWald zu ungewöhnlich sein? Als hätte er schon wieder meine Gedanken lesen können antwortet mir MondSucht :“ Die Einen sagen, darin werden alle Rätsel vom MondWald gelöst, alle Geheimnisse, all diese kleinen Besonderheiten; andere jedoch sagen, das dieses Buch , wenn es gelesen wird, von bestimmten Personen, den MondWald verändern wird, oder das es gar aufhört zu existieren.“ Wie ein Echo verhallten seine Worte in meinem Kopf, wurden leiser und wieder lauter. Ich versuchte mir gerade klar zu werden , was er da gesagt hatte. Und ich dachte einen unmöglichen Gedanken. Sollte ich etwa diejenige sein, die dieses Buch finden sollte? Ich versuchte mir ein Bild zu machen, es aus den Informationen die ich hatte, zusammen zu setzen, doch es war nur ein verschwommenes Bild, so als würde der Regen den Blick darauf trüben. „Aber es wurde bisher von noch nie jemanden gefunden“, fügte MondSucht hinzu.
“ Woher wollt ihr denn wissen, das es dieses Buch wirklich gibt, das es nicht nur eine Legende ist?“, fragte ich schließlich Andrea.
„Es gibt Hinweise darauf, in jedem Buch, welches hier steht. Versteckte hinweise. Sie sind alle miteinander verbunden, und ergänzen sich, aber man bekommt nie ein komplettes Bild. Es gibt keine konkreten Hinweise…“
MondSucht nickte. „So ist es.“
„Das ist schon eine ganz komische Sache, findet ihr nicht?“
Andrea lachte “ Unsere gesamte Welt, der gesamte MondWald ist eine komische Sache, hast du das noch nicht gemerkt? Aber du wirst dich damit noch auseinander setzen müssen, und du wirst dich damit vertraut machen wollen, denn du bist genauso auf der Suche wie wir alle, nach Antworten auf nicht beantwortet Fragen.“
MondSucht nickte kurz und Andrea schlug ihr Buch zu, „Andrea hat ein wenig Zeit und wird sich ein wenig mit dir beschäftigen und wird dich rumführen, einführen in diese Gruppe.“ „ich bin was..?“ entfuhr es mir. Hier schien jemand über meinen Kopf hinweg entschieden zu haben, ohne mich zu fragen, ob ich das wollte. Ich schaute ihn kampflustig an. „Entschuldige,…“sagte er zu mir“, aber du weißt es doch oder? Sicherlich du kannst hier raus gehen, und kannst versuchen deinen Ausweg zu finden, aber du weiß genauso wie wir alle, das wir nicht in der Lage und nicht die Macht dazu haben hier heraus zu kommen.“ Er sah mich mit einem Male sehr ernst an.
Ja , ich war eine Weile im Wald umher gewandert und hatte nach einem Ausweg gesucht, aber immer , wenn ich dachte, ich sein angekommen und würde das Ende sehe, schien der Wald in dem Augenblick nur noch dichter zu werden. Die Seele des Waldes hatte mich hier her geführt, und würde mich so schnell nicht gehen lassen. Erst , wenn ich meine Aufgabe erledigt hätte. Doch ich konnte zur Zeit nicht sagen, ob die Seele mit mir spielte, oder mir helfen wollte.
MondSucht schien recht zu haben. „Du wirst eine Weile hier sein“, begann MondSucht. „Bis ich meine Aufgabe gefunden habe und sie für die Gruppe erledigt habe oder. Bis ich verstehe wer Wir sind.“ Es regte sich Widerstand bei diesen Worten, ich wollte nicht unter Zwang fest gehalten werden. Es regte sich etwas in mir und ich hatte das Gefühl schon mal gezwungen geworden zu sein, an einem Ort verweilen zu müssen, den ich nicht wollte. Aber ich wusste auch, es gab keine Möglichkeit zu entfliehen, und bisher war mir nichts schlechtes passiert im MondWald. Mondsucht nickte und wirkte erfreut. „Du begreifst schnell.“
MondSucht mochte ich. Er war zwar etwas kühl, unnahbar. Er erinnerte mich an jemanden, der sich wohl sehr weit weg befinden musste. Jemand der unscharf und zugleich scharf zu sehen war, je nachdem , wie er es wollte. Er war aber auch irgendwie , wie der Mond der draußen silbern schien. Er verbreitete trotz aller Unnahbarkeit eine angenehme Wärme und wohltunende Atmosphäre. „Mach dir nicht zu viele Gedanken. Die Bücher die du lesen wirst, und schreiben wirst, werden dich weiter bringen und dich in Ihren Bann ziehen.“ Ich fand es etwas erschreckend, das es so sein könnte, aber ich war fasziniert von diesen Büchern und Bildern und ihren eigenen Seelen. „Wir werden auf dich acht geben, Kyara“, versicherte er mich und schaute dabei Andrea an. „Nicht wahr, Andrea?“ Mit Andrea war ich mir noch nicht so sicher. Sie schien sehr beschäftigt mit Büchern zu sein. Ihr Geist war mir irgendwie abwesend, obwohl sie alles mitbekam , was MondSucht und ich sprachen. Ich war mir sicher, das sie mir nicht antworten würde, daher fragte ich ihn. „Was liest sie denn eigentlich für ein Buch?“ „Ich weiß es nicht, über bestimmte Bücher, höhere Bücher, bestimmte Erinnerungen, wird nicht gesprochen. Selbst wenn ich es wüsste, dürfte ich es dir nicht sagen.“ „Sie ist also schon sehr weit in ihrer Suche und dem Studium dieser Bücher?“, frage ich neugierig.
Zum ersten Mal konnte ich beobachten, wie MondSucht jemanden berührte. Er schien sehr stolz auf Andrea zu sein, so war wohl auch seine Geste, seine Berührung von Andreas Schulter zu zeigen. Andrea schien das zu wissen, es huschte ihr ein Lächeln übers Gesicht. Plötzlich drehte sie sich ruckartig um, klappte das Buch wieder zu, blicke mich sehr durchdringend an und ich konnte mich in ihren wunderschönen Augen spiegeln sehen.“ Das ist ein Geheimnis, alles ist ein Geheimnis. Hier arbeitet man in erster Linie für sich und doch arbeiten alle für die Gruppe.“ Ihr Gesicht hellte sich ein wenig auf und ein kleines Lächeln war zu erkennen.
„Willkommen in unserer Zuflucht.“

[19.08.2004][im HalbMond]
Und der Himmel verbarg sein Geheimnis vor mir

Wie rankende Arme erhoben sie die 7 Türme der Ruine gen Himmel. Im fahlen Licht des silbernen Mondes erschienen sie gespenstischer und in einer Abwehrhaltung, als wollten sie sagen, Ihr kommt an uns nicht vorbei, wenn wir es nicht wollen. Im äußersten Ring der Ruine , waren diese 7 Türme angeordnet, wie Wächter eines Schatzes. Die Dächer der Türme und der gesamten Burg erschienen in einem Moosbewachsenden grün und schienen schon so unendlich alt zu sein. Und dennoch schienen, die Türme, nein diese gesamte Burg allem zu trotzen was da kam. Dem Regen, den Gewittern, ja selbst mir.

Erschrocken fuhr ich hoch von meinem Lager. Ich war mir nicht bewusst wo ich war, und was ich hier machte. Es erschien mir alles wie ein Traum. Das ganze was ich erfahren hatte, es erschien mir jetzt wie ein Traum. Ein wenig wie ein Alptraum, aber eigentlich mehr wie eine Ahnung. Es schwirrten so viele Gedanken in mir herum. Was war geschehen, was machte ich an diesem seltsamen Ort, wo ich doch gerade noch ganz wo anders war. „WO bin ich, wer bin ich?“ , entfuhr es mir langsam und leise, aber es war ja niemand da, der mir zuhören konnte. Niemand der mich so sah. Langsam stand ich auf und spürte die Kalten Steine unter meinen Füßen. Es schien wirklich wahr zu sein, was ich hier erlebte, oder war es nur ein Alptraum, der mich in tiefster Nacht mal wieder ereilte? Ich wanderte mit nackten Füßen in diesem Raum umher. Wie bin ich hier her gekommen; ich wunderte mich. Das letzte an das ich mich erinnerte, war das Gespräch mit MondSucht und Andrea, oder war auch das nur Einbildung gewesen.
Draußen hörte ich den Donner grollen. ab und an zuckte ein gleißender Blitz durch den Himmel , als wolle er die Ruine angreifen, und versuchen ihm etwas zu entreißen. Mich fröstelte es und ich rieb mir mit den Armen die Haut warm. Du brauchst keine Angst zu haben, sagte ich mir immer wieder. Doch so ganz glaube ich mir noch nicht. Ich lief weiter in meiner Stube umher und schaute mich um, ausser den Blitzen erschien der Himmel nur erhellt durch den silbernen Mond, den ich durch die Fenster sehen konnte. Es war ein HalbMond, auf dem Weg zur vollen Blüte. Majestätisch erschien er und sein sanftes Licht beruhigte mich ein wenig. Er schien mir von hier aus viel näher als sonst. So als wäre er greifbar, als wollte sagen, liebe Kyara ich passe auf dich auf. Es war ein erwärmendes Gefühl ihn zu sehen, gerade jetzt in dieser Form.
Es regnete draußen unaufhörlich. Es war ein leichter Landregen, der eigentlich nicht zu diesem schweren Gewitter passte, welches draußen zu sehen und zu spüren war. Der Wind war nicht in der Lage den Regen, die Regentropfen durcheinander zu bringen. Egal wie stark er blies, nichts brachte sie aus der Fassung, so als würden sie sich an einer Kette befinden, für immer aneinander gekettet und sich gegenseitig schützend und behütend. Es war ein schöner Regen, ich musste ihn vom Nahen sehen. Ich fühlte wie die Angst von mir wich, wie der Regen mir Mut machte. Ich ging langsam in Richtung Fenster und fühlte mich mit jedem Schritt etwas besser. Es war nicht mehr diese große Angst in mir, diese Verwirrtheit. Es musste seine Ordnung und Richtigkeit haben, das ich hier war. Meine Zweifel wurden zwar weniger , aber dennoch blieben sie und ich wünschte mir Antworten zu all meinen Fragen. Ob ich sie jemals bekommen würde? Ich war mir nicht sicher. Ich war mir nicht einmal sicher die richtigen Fragen zu stellen oder sie überhaupt aussprechen zu können. Ich machte die Holzverschläge des Fenster auf, vor dem ich mich befand. Ich wollte den Regen berühren, ihn auf meiner Haut spüren, seine Kraft in mich aufnehmen, um der kommenden Aufgaben und Erfahrungen gerecht zu werden. Mit beiden Händen streckte ich mich dem Regen entgegen, aber ich kam nicht ganz heran. Ohne mir recht zu überlegen was ich tat, kletterte ich langsam auf dem Sims. Von hier aus konnte ich es spüren, die Energie, wie sie mich durchströmte, mir Wärme gab, inmitten dieses Sturmes, der da draußen tobte. Ich betrachtete den Himmel, wann immer ein Blitz die pechschwarze Nacht erhellte, konnte ich den Wald sehen. Es schien mir, als würde er enger um uns herum liegen, als es sonst der Fall war. Wollte er uns beschützen, wollte er uns einsperren? Im dunklen der Nacht versuchte ich die Sterne zu sehen und sie zu zählen. Aber egal wie intensiv ich schaute, außer dem Mond , der silbern über mir schien, konnte ich nichts erkennen. Ich verlor mich in Zeit und Raum und spürte nur die Wärme des Regens und betrachtete das geheimnisvoll Licht , welches vom Mond ausging. Gehörte er zum Geheimnis des MondWaldes, er hatte sicher was damit zu tun. Aber nur was.
Ich wusste nicht wie viel Zeit vergangen war, als mir plötzlich bewusst wurde, das ich nicht alleine im Zimmer war. Ich drehte mich um, und tatsächlich MondSucht stand dort, an der Tür, kerzengerade, wie es für ihn typisch war, nicht bewegendend. Seine Augen waren auf mich gerichtet und doch schien er nicht an mir als Person interessiert zu sein, sondern nur an der Situation in der er mich antraf. Wieder überkam mich das Gefühl, es nicht mit einem lebenden , fühlenden Mensche zu tun zu haben, sondern mit einem anderen Wesen, höher stehendes Wesen. Er schien nicht von dieser Welt. Er füllte mir seiner Statur, die schlank und zart war, den ganzen Bogen der Tür aus, ohne sie jedoch nie zu berühren. Eine Aura der Vollkommenheit und Ruhe umgab ihn. Würde die Ihn nie etwas aus der Verfassung bringen, fragte ich mich, aber noch mehr fragte ich mich. Wer bist du MondSucht?
Für einen winzigen Moment , schien ein Lächeln, sein Gesicht zu streifen, doch es war nicht greifbar, nicht real, es schien schon vorbei ehe es angefangen hatte. Ich fragte mich, wieso stand er gerade jetzt dort? Wieso war er immer zur Stelle, wenn Fragen waren, wenn ich etwas nicht wusste.
„Kyara, bitte steige von dem Sims herunter. Es lauern Gefahren, von denen du noch nichts weißt. Ich bin hier um dich zu leiten und auch um auf dich auf zu passen.“ „Du musst nicht auf mich nicht auf mich aufpassen“, erwiderte ich barsch. Und im selben Moment tat es mir leid, so unbeherrscht gewesen zu sein, ich war doch nur erschreckt gewesen, plötzlich jemanden im Zimmer zu haben. Wusste er denn nicht, das ich es nicht mochte, erschreckt zu werden, das ich Todesangst dabei bekam, wenn jemand fremdes in mein Zimmer eindrang…
Nein er konnte es ja gar nicht wissen, wie sollte er auch, ich hatte es ja niemanden erzählt. „Wie lange bist du denn schon hier?“, fragte ich freundlicher aber fester Stimme, als wollte ich mich gegen seine Macht, mich einzuhüllen, stellen.
„Kyara, wir sagten dir doch schon, hier vergeht die Zeit nicht so wie du sie benutzt. Ich stehe erst seit kurzem hier und doch stehe ich auch schon hier, bevor du hier ankamst.“ Ja dachte ich, er hatte Recht, er hatte mir davon erzählt, oder war es ein Traum gewesen, war all dies ein Traum? Nein in einem Traum spürte man nicht diese Wärme des Regens, konnte die Kraft in einem aufsteigen spüren.

Mitten im Zimmer, in dieser Ruine, da stand ich , leicht bekleidet mit einem Schlafkleid, welches ich nicht kannte und starrte mit großen Augen MondSucht an. Was würde jetzt kommen, was würde er jett sagen. Er schien immer etwas zu sagen zu haben, wenn ich ihn sah. Manchmal war er spurlos verschwunden, nachdem er mir etwas gesagt hatte. Was war es dieses Mal, würde er mich wieder so schnell verlassen? Während ich auf seine Worte wartete, versuchte ich aus den Erinnerungen, die ich für Träume hielt, ein Bild zu erschaffen. Da war Seele, der kleine mysteriöse junge im Wald, da war die Hütte, da war die Ruine, diese Halle mit den Treppen, da war MondSucht, da war Andrea, aber was war da noch. Es erschienen Bilder vor meinem innern Auge , die ich nicht zu deuten wusste. Was waren dies für Bilder. MondSucht gib mir Antworten, flehte ich innerlich. Wer war ich, und warum war ich hier.
„Was hast du Kyara?“ Ich erschrak, seine Worten waren nicht lauter als ein Flüstern gewesen, aber sie trafen mit voller Wucht seiner Persönlichkeit. Sie durchdrangen mich, als würde sie ihre Antwort suchen, ohne das ich reden musste. Ja was war mit mir. Wie ein kleines Häufchen Elend, wie ein kleines Kind, stand ich hier , inmitten dieser Ruine. MondSucht machte einen Schritt auf mich zu, als wolle er seiner Stimme Nachdruck verleihen, doch das war gar nicht nötig. Sein Verhalten, seine Unnahbarkeit, seine Stimme flößte jedem von uns soviel Respekt ein, da brauchte er das gar nicht mehr machen. Was sollte ich antworten. Was ist? Seine Worte hallten noch in meinem Kopf herum , als hätte er sie direkt dorthin hinein geredet.
Ohne auf meine Worte zu warten, fuhr MondSucht fort. „Dir ist kalt Kyara, du solltest dir etwas anziehen, es wird Zeit. Ich möchte das du dir etwas anziehst und dann mit mir herunter gehst.“ Er schaute sich dabei kaum merklich um, als erwartete er jeden Augenblick etwas negatives. Aber Zeit wofür? Was würde geschehen, könnte ich es beeinflussen, würde ich es wollen? Mit einer kleinen Geste wies er mir den Weg zu einem großen Schrank, aus schwarzen Holz mit eingeschnitzt Monden und Sternen. Ich ging ein Schritt darauf zu und schaute unschlüssig auf den Schrank, sollte ich ihn öffnen. Es wurde mir tatsächlich kälter, als würde die Energie des Regens nicht mehr wirken und würden mich langsam durch die Füße verlassen. Ich schaute MondSucht an und er nickte nur kurz, als wüsste er, was ich fragen wollte. Ich öffnete die Tür und erwartete die Kleidung , die vorher immer angehabt hatte. Aber ich wurde überrascht, ein neues, tiefdunkelrotes Samtkleid erwartete mich. Es sah bezaubernd aus, und als ich es angekleidet hatte, passte es mir , wie als wäre es für mich geschaffen ward. Ich fühlte mich sofort wohl in diesem Kleid, woher wussten sie, das ich ein tiefdunkles rot so sehr mag. Dazu gab es leichte Sandalen, formvollendet in den Rundungen, legte es sich um meine Fußfesseln. Man fühlte sich direkt wohl. MondSucht sah mich an und sagte, „Ja , wie wir erwarteten. Es passt dir Kyara. Durchaus, er hatte recht, die Ähnlichkeit zu Andrea ist stark, es steht dir wirklich gut.“ Wie komisch mir doch seine Stimme vorkam, wie er es sagte. Es war voller Gefühle, das war ich nicht gewohnt von MondSucht, was war mit ihm los? Für einen Augenblick, zuckte eine Ausdruck von Melancholie in seinem Gesicht. War er es, der das aussprach, oder sprach er das aus, was jemand anders dachte? Diese Ausdruck in seinem Gesicht, dauerte nur wenige Sekunden und war sofort wieder weg. Er schaute mich wieder an, wie sonst auch, als hätte es das eben gesagte nicht gegeben.